Seit 2012 veranstaltet The String Company die Erfurter Lange Nacht des Klezmer: An einem Abend kommen regionale, nationale und internationale Klezmer-Ensembles auf die Bühne und gestalten in abwechslungsreichen Konzerten eine lange Klezmernacht.
Künstler on Stage: Karsten Troyke & Trio Scho (2024), Aufwind (2023), Jezmer (2023, 2019), Trojka (2022), Antjes Weltempfänger (2022), Alan Bern & Friends (2019), Schola Cantorum Weimar (2019), Misrach (2019, 2018, 2017), Rozhinkes (2018), par-ci, par-la (2018), Alex Jacobowitz (2017), Sveta Kundish (2016) und Andrea Pancur (2015).
Seit dem Jahr 2022 wird die Lange Nacht des Klezmer gemeinsam mit dem Projektpartner Erfurter Herbstlese e. V. im Rahmen des Projektes Bücher aus dem Feuer veranstaltet: Dieses Projekt erinnert jedes Jahr mit zahlreichen Veranstaltungen an die Erfurter Bücherverbrennung im Juni 1933. Im Jahr 2024 ist der Erfurter Denkort Bücherverbrennung 1933 im egapark Erfurt eingeweiht worden.
Gemeinsam mit dem Fotokünstler Aribert Janus Spiegler engagieren wir uns für ein friedvolles Miteinander und möchten das Bewusstsein für die deutsche Geschichte in ihrer Gesamtheit und Widersprüchlichkeit schärfen.
Am 9. November 2020 haben wir auf dem Gelände der ehemaligen Viehauktionshalle in Weimar ein Gedenkkonzert aus Anlass der Novemberpogrome von 1938 veranstaltet.
Die Viehauktionshalle in Weimar war im Mai und September 1942 ein zentraler Sammelort für Thüringer Juden, um sie am darauffolgenden Tag in die polnischen Konzentrations- und Vernichtungslager abzutransportieren und nur wenig später zu ermorden.
Das Konzert wurde vom Fotografen Aribert Janus Spiegler in eindrucksvollen Fotos und Videos festgehalten.
Ein weiteres Gedenkkonzert fand am 10. Mai 2021 auf dem Gelände des Güterbahnhofs Erfurt statt, wo ebenfalls im Mai und September 1942 Thüringer Juden gesammelt und in die polnischen Konzentrations- und Vernichtungslager abtransportiert worden sind. An diesem Ort gedachten wir mit unserer Musik all der Menschen, die Opfer dieser Vernichtung geworden sind.
Die Fotos des Gedenkkonzertes haben wir in der Ausstellung Gleis-Besetzung zusammengestellt. Die Ausstellung haben wir im Jahr 2022 im Kultur: Haus Dacheröden Erfurt und im Jahr 2024 im Historischen Museum Aurich gezeigt.
Aurich ist der Geburtsort von Laura Hillman, geborene Hannelore Wolff, die als einzige die erste große Deportation Thüringer Juden im Mai 1942 überlebte und ihre Erinnerungen in dem Buch Ich pflanze einen Flieder für dich – Auf Schindlers Liste überlebt (2019) festhielt. Das Buch wurde von dem Auricher Adrian Mills ins Deutsche übersetzt.
Am 21. März 2022 spielten wir im Gedenken an den Erfurter Pogrom vom 21. März 1349 ein Gedenkkonzert am Westflügel der Alten Synagoge Erfurt.
Mitte des 14. Jahrhunderts brach in ganz Europa die Pest aus. Während die Seuche um sich griff, beschuldigten viele Bürger die jüdische Bevölkerung, die Brunnen vergiftet zu haben.
In Erfurt kam es am 21. März 1349 zu einem Übergriff auf das jüdische Viertel, bei dem viele Juden ermordet wurden und das Viertel um die Synagoge niederbrannte. Bis zu 900 Menschen starben.
Schreiben gegen das Vergessen - ein Kunstprojekt von Margarete Rabow, das wir am 9. Mai 2022 auf dem Erfurter Bahnhofsvorplatz mit dem Erinnerungsort Topf & Söhne Erfurt, dem Rabbiner der jüdischen Landesgemeinde Thüringen Alexander Nachama und vielen Bürgern der Stadt Erfurt durchgeführt haben.
Am 9. Mai 1942 wurden Menschen aus Erfurt und anderen Orten in Thüringen nach Weimar und von dort in das Ghetto Bełżyce deportiert.
Fotos: Aribert Janus Spiegler
80 Jahre danach wurden die Namen von 471 Männern, Frauen und Kindern aus Erfurt auf den Asphalt geschrieben. Diese Menschen sind im Nationalsozialismus aufgrund ihres Glaubens und ihrer jüdischen Herkunft ermordet worden. Wir haben das Kunstprojekt musikalisch begleitet und Namen ermordeter Juden auf den Asphalt geschrieben.
Video: Roberto Santana
Am 9. November 2022 jährten sich die Novemberpogrome zum 84. Mal. 1938 haben die Nationalsozialisten in Deutschland Synagogen, jüdische Wohn- und Kaufhäuser niedergebrannt und Juden erniedrigt, verhaftet und ermordet.
Mit Stillen Konzerten an historischen Orten wollen wir erinnern: In den Verbrennungsöfen der Firma Topf & Söhne Erfurt wurden die Leichen der in den Konzentrationslagern ermordeten Juden beseitigt.
Aribert Janus Spiegler (Foto, Konzeption) und Roberto Santana (Kamera) haben unsere musikalische Gedenkaktion in eindrucksvollen Bildern eingefangen.
Am 9. November 2023 jährten sich die Novemberpogrome zum 85. Mal. Am 9. November 1938 entlud sich deutschlandweit der Hass von Nazis an der jüdischen Bevölkerung: Synagogen wurden niedergebrannt, Geschäfte zerstört und geplündert, Jagd auf jüdische Menschen gemacht und die Männer in KZs verschleppt.
So auch in Erfurt: Die Große Synagoge wurde niedergebrannt. 193 jüdische Männer wurden in die Turnhalle der Humboldtschule am heutigen Juri-Gagarin-Ring verschleppt, gedemütigt und misshandelt. 189 von ihnen am darauffolgenden Tag in das KZ Buchenwald deportiert, wo fünf der Männer innerhalb nur weniger Tage zu Tode kamen.
Video: Andreas Ketelhut
Es sollten nicht die einzigen Opfer bleiben, Millionen folgten — auch unter Mitwirkung der Erfurter Firma Topf & Söhne — die Ofenbauer von Auschwitz — heute ein Erinnerungsort. Aribert Janus Spiegler (Foto, Konzeption) und Andreas Ketelhut (Kamera) haben unser Gedenkkonzert in eindrucksvollen Bildern festgehalten.
„Mein Gott, was haben wir gemacht, dass du uns verlassen hast?“. Diese Worte flüsterte die am 16. Oktober 1923 in Aurich geborene Hannelore Wolff fassungslos angesichts der erlebten Grausamkeiten in der Viehauktionshalle in Weimar am 10. Mai 1942.
Von hier aus werden sie und weitere Mitglieder ihrer Familie unter hunderten Thüringer Juden in Vernichtungslager in Polen deportiert. Dort wurden sechs Millionen Juden, darunter auch die Familienangehörigen von Hannelore Wolff, ermordet. Als eine der wenigen Überlebenden des Holocaust wird sie Jahrzehnte später als Laura Hillman in ihrem Buch „Ich pflanze einen Flieder für dich“ darüber Zeugnis ablegen.
Die gleichnamige Ausstellung zeigt Fotos unseres Gedenkkonzertes in der Ruine der 2015 durch Brandstiftung zerstörten Viehauktionshalle in Weimar und zitiert die Erinnerungen von Laura Hillman an die Nacht des 10. Mai 1942.
Dank der Unterstützung unserer Partner konnte die Ausstellung am Geburtsort von Hannelore Wolff von Februar bis Juli 2024 gezeigt werden: Historisches Museum Aurich, Stadt Aurich, Deutsch-Israelische Gesellschaft e. V. AG Ostfriesland, AG Stolpersteine in Aurich, Adrian Mills (Übersetzer), Aribert Janus Spiegler (Fotograf).
Die besondere Konzertlesung „Wenn ich dich je vergesse“ ist eine gemeinschaftliche musikalische und literarische Annäherung an eine der dunkelsten Epochen der Erfurter Geschichte, die durch Wort und Klang dennoch von der Hoffnung und der Macht der Freundschaft erzählen möchte.
Der im Herbst 2021 bei der Evangelischen Verlagsanstalt Leipzig/Wartburgverlag erschienene Roman "Wenn ich dich je vergesse" der Erfurter Autorin Anne Bezzel erzählt vom Zusammenleben, von Liebe und Freundschaft in einer Stadt, in der an jenem 21. März 1349 durch eine Eskalation von Hass und Gewalt Lebensgeschichten zerstört und Bande zwischen Menschen zerrissen wurden.
In der Konzertlesung stellen wir den Roman vor, tauchen in das mittelalterliche jüdische Leben in Erfurt ein, lesen einzelne Passagen aus dem Roman und spielen passend dazu Musik mit den Instrumenten Harfe, Gitarre und Gesang. Lieder aus dem Liederzyklus zum jüdischen Schatz erklingen ebenso wie sephardische, jiddische und hebräische Stücke.
Anne Bezzel (Autorin, Sprecherin, Harfenspielerin) – Marion Minkus (Sängerin, Sprecherin) – Peter Kluge (Gitarre, Sprecher)
THURINGIA CANTAT ist ein facettenreiches Chorprojekt des Chorverbands Thüringen, das von mehr als 200 Sängerinnen und Sängern aus Thüringen und ganz Deutschland getragen wird.
Das abwechslungsreiche Repertoire umfasst internationale Stücke, die von moderner geistlicher Chormusik über Gospel und Klassik bis hin zu Rock und Pop reichen. Die musikalische Leitung und künstlerische Konzeption des Projekts obliegen dem Verbandschorleiter Prof. André Schmidt.
Jedes Jahr führt der Chorverband Thüringen ein Chorprojekt durch, das sich einem speziellen politischen, historischen oder stilistischen Thema widmet: Gesungene Geschichte (2017), So klingt die Welt (2018), In media res (2022), Die Engel über Dir (2023), 500 Jahre Bauernkrieg (2025).
Mit dem Projektchor THURINGIA CANTAT haben wir seit dem Jahr 2019 ein Repertoire jiddischer und hebräischer Stücke und weiterer Chorliteratur erarbeitet und auf die Bühne gebracht: Herausragende Konzerte mit Ute Freudenberg fanden im Jahr 2022 im Gewandhaus zu Leipzig und in der Weimarhalle statt.